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Verabschiedung von Martin Egerer nach 41 Jahren Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Sein Leitspruch: Jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen
Verabschiedung von Martin Egerer nach 41 Jahren Tätigkeit in der sozialen Arbeit. Sein Leitspruch: Jedem Menschen auf Augenhöhe begegnen.
Beim DORNAHOF Sommerfest am 17. Juli in Altshausen wurde Martin Egerer nach 41 Berufsjahren in der sozialen Arbeit offiziell in den Ruhestand verabschiedet von der Geschäftsbereichsleiterin der Stationären Hilfen, Sabine Rau. „Wenn ich alles aufzählen würde, was Martin Egerer bewegt hat, würde ich morgen noch reden“, meinte Sabine Rau. „So hatte er beispielsweise schon in ganz jungen Jahren die DORNAHOF-Wandergruppe ins Leben gerufen und 20 Jahre lang geleitet. An den Wochenenden unternahm er mit Bewohnerinnen und Bewohnern viele Ausflüge.“ Sylvia Christberger und Patrick Heinzle von der MAV übergaben Martin Egerer im Namen der Mitarbeitenden des DORNAHOF ein Abschiedsgeschenk in Form eines Plakates mit aufgeklebten Herzen aus gefalteten Geldscheinen.
Dass vier Jahrzehnte Berufsleben mit zahlreichem Wandel verbunden sind, zeigt sich allein in der heute nicht mehr gängigen Berufsbezeichnung Martin Egerers. Er fing am ersten September 1982 am DORNAHOF als Sozialdiakon an und arbeitete gemeinsam mit drei weiteren Kollegen im Dienst der rund 200 Bewohnerinnen und Bewohner am Standort Altshausen als Hausleiter. Für Hausleiter gab es damals noch Residenzpflicht. Das bedeutete, Martin Egerer wohnte die ersten 20 Jahre seiner Arbeit mit Frau und drei Söhnen auch auf dem Gelände des DORNAHOF. Das Namensschild „Egerer“ hängt heute noch an der Tür von Haus Nr. 84. Das Arbeitsleben am DORNAHOF sieht Martin Egerer rückblickend nicht als beschwerlich an, er arbeitete nie auf die Rente hin. Er blieb letztlich über das Rentenalter hinaus sogar ein Jahr länger, bis zum 31. Dezember 2023. 41 Jahre in der Wohnungslosenhilfe sind eine lange Zeit und Martin Egerer hat vieles zu erzählen. Deshalb lassen wir ihn hier selbst zu Wort kommen.
Was hat Ihnen im Dienst immer geholfen?
Martin Egerer: Mich haben die Worte meines Vorgängers Manfred Schütz getragen. Er gab mir mit, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe immer bewusst eine Beziehung zu den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgebaut und versucht, jedem die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Auch habe ich schnell gelernt, die Situationen so anzunehmen, wie sie sind. Ein Mensch muss nicht mehr machen, als er kann. Deshalb verdient er trotzdem Zuwendung. Für die vielen Schicksale braucht es am besten breite Schultern. Und man legt sich eine gewisse Hornhaut auch auf den Gehörgängen zu, um nicht jeden Spruch zu ernst zu nehmen. Wenn man das beherzigt, kommt Beziehung von den Bewohnerinnen und Bewohnern zurück. Was mir auch immer geholfen hat, war, dass das Team einen guten Zusammenhalt hat. Die gute Beziehung im Betreuungsbereich untereinander hat dazu beigetragen, dass auch belastende Arbeit gut zu stemmen war. Ich bin nicht ausgebrannt, für mich war es wie eine lange Wanderung, die nun zu Ende ist.
Gab es für Sie prägende Ereignisse?
Prägend war in jedem Fall die Nacht vom 18.08.1998, der große Brand am DORNAHOF. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten mit Leitern aus den Zimmerfenstern geholt werden. Diese Nacht war das dramatischste Erlebnis für mich. Aber auch da lernte ich dazu. So hat beispielsweise ein Bewohner mit einem nassen Handtuch über dem Körper in seinem Zimmer ausgeharrt, bis Hilfe kam. Er hatte das, so hat er mir später berichtet, in der Fremdenlegion gelernt.
Was hat sich im Laufe der 41 Jahre verändert bei der Arbeit?
Am Anfang meiner Berufslaufbahn hatten wir eine hohe Fluktuation mit auch mal 140 Ein- und Auszügen im Jahr. Das hat sich deutlich verlangsamt. Die Menschen, die heute in die Stationären Hilfen kommen, sind deutlich schwächer und haben eine breite Palette an psychischen Problemen in ihrem Lebensrucksack. Hier spielt bestimmt der gesellschaftliche Leistungsdruck eine Rolle.
Was nehmen Sie aus den 41 Jahren mit?
Organisch hat es sich ergeben, dass ich von Anfang an in den Langzeithilfen war. Entsprechend habe ich Menschen zum Teil 20, auch 30 Jahre betreut. Ich habe einige Menschen bis zum Ende ihres Lebens begleitet. Auch mit Sterbebegleitung. Ein Bewohner hat nach unserer Einschätzung über das Wochenende gewartet mit dem Sterben und ging erst, als meine Kollegin Claudia Neher und ich uns an sein Bett gesetzt haben und ihm die Hand hielten. Das waren fast „heilige“ Situationen und ein sehr großer Vertrauensbeweis von den Bewohnerinnen und Bewohnern an uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.